Hypogonadismus Mann: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

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Verfasst von Marco Schwarz – Experte für Männergesundheit

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Inhaltsverzeichnis

Wenn Testosteron im Körper dauerhaft zu niedrig ist, verändert sich oft mehr als nur die Libido. Energie, Stimmung, Schlaf, Muskelkraft und sogar Konzentration können leiden. Viele Männer ordnen diese Veränderungen zuerst Stress, Alter oder fehlendem Training zu. Das kann stimmen, trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, weil hinter den Beschwerden auch ein Hypogonadismus stecken kann.

 

In diesem Artikel bekommst du eine ruhige, medizinisch erklärende Einordnung: Was Hypogonadismus beim Mann bedeutet, welche Formen es gibt, wie eine sinnvolle Diagnostik aussieht und welche Behandlungswege Ärztinnen und Ärzte typischerweise prüfen.

 

Was bedeutet Hypogonadismus beim Mann?

Hypogonadismus beschreibt eine Unterfunktion der Keimdrüsen. Beim Mann betrifft das vor allem die Hoden und die hormonelle Steuerung über Hypothalamus und Hypophyse.

 

Entscheidend ist: Der Körper stellt nicht genug Testosteron bereit oder kann es nicht stabil halten und dadurch entstehen Symptome.

 

Wichtig: Ein einzelner “niedriger” Laborwert ist noch keine Diagnose. Erst die Kombination aus wiederholt auffälligen Blutwerten und passenden Beschwerden ergibt ein schlüssiges Bild.

 

Welche Formen gibt es?

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden vor allem zwei Hauptformen, weil Ursachen und Therapieansatz sich unterscheiden können.

 

  • Primärer Hypogonadismus: Hier liegt die Ursache in den Hoden. Die Steuerhormone aus dem Gehirn können sogar erhöht sein, weil der Körper versucht gegenzusteuern, aber die Hoden reagieren nicht ausreichend. Mögliche Hintergründe können sein: angeborene Störungen, Schäden durch Entzündungen, Verletzungen, bestimmte Medikamente, Chemotherapie oder Strahlentherapie.
  • Sekundärer Hypogonadismus: Hier liegt die Ursache in der hormonellen Steuerung, also im Hypothalamus oder in der Hypophyse. Dann werden LH und FSH oft zu wenig ausgeschüttet und die Hoden erhalten zu wenig “Signal”, Testosteron zu bilden. Auslöser können unter anderem sein: Übergewicht, Schlafmangel, chronischer Stress, bestimmte Medikamente, erhöhte Prolaktinwerte, Erkrankungen der Hypophyse oder starke Kalorienrestriktion über längere Zeit.
  • Funktioneller Hypogonadismus: In der Praxis taucht häufig ein “funktionelles” Bild auf. Das bedeutet: Es gibt keinen klaren dauerhaften Organschaden, trotzdem fällt Testosteron messbar ab, oft im Zusammenhang mit Lebensstil, Schlaf, Körperfett, Alkohol, Stress oder Begleiterkrankungen. Hier ist besonders wichtig, sauber zu unterscheiden, ob primär die Lebensumstände drücken oder ob eine behandlungsbedürftige hormonelle Störung vorliegt.

 

Typische Symptome: So kann sich Testosteronmangel zeigen

Hypogonadismus kann sich sehr unterschiedlich äußern. Einige Beschwerden wirken unspezifisch und genau das macht die Einordnung manchmal schwierig.

 

Häufig genannte Symptome sind:

 

  • weniger sexuelle Lust, seltener morgendliche Erektionen, Erektionsprobleme
  • Müdigkeit, Leistungseinbruch, weniger Antrieb
  • Stimmungstiefs, Reizbarkeit, innere Leere
  • weniger Muskelkraft, langsamere Regeneration, mehr Fettansatz
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsprobleme, “Gehirnnebel
  • weniger Bartwuchs oder Veränderungen an Körperbehaarung
  • Hitzewallungen oder starkes Schwitzen in bestimmten Konstellationen
  • in manchen Fällen Brustdrüsenschwellung, je nach hormonellem Muster

 

Nicht jeder Punkt muss auftreten. Manche Männer spüren zuerst mentale Veränderungen und wundern sich, warum Training und Ernährung plötzlich weniger bringen. Andere merken es über Sexualfunktion oder Erschöpfung.

 

Wenn dich zusätzlich depressive Symptome beschäftigen, lies unseren Artikel zum Thema Depressionen bei Männern als vertiefenden Kontext, weil sich die Themen in der Wahrnehmung stark überlappen können.

 

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Was sind Ursachen und Risikofaktoren?

Es gibt nicht die eine Ursache. Häufig ergibt sich ein Bündel aus Faktoren.

 

Häufige medizinische Ursachen:

 

  • Störungen der Hodenfunktion, auch nach Entzündungen oder Verletzungen
  • genetische Ursachen, abhängig von Lebensphase und Vorgeschichte
  • Erkrankungen der Hypophyse, manchmal auch gutartige Tumoren
  • bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Opioide oder Glukokortikoide
  • starke chronische Erkrankungen, die den Hormonstoffwechsel beeinflussen

 

Häufige “Alltagsfaktoren”, die Testosteron drücken können:

 

  • Schlafdefizit und unruhiger Schlaf
  • hoher Alkoholkonsum
  • starkes Übergewicht, vor allem viszerales Fett
  • chronischer Stress und dauerhaft hoher Cortisoltonus
  • sehr wenig Kalorien über längere Zeit oder extreme Diätphasen
  • Übertraining ohne ausreichende Regeneration

 

Wenn Rauchen ein Thema ist, kann auch das ein Faktor sein, weil Nikotin und Begleitfaktoren den hormonellen Gesamtzustand beeinflussen können.

 

Hypogonadismus oder “normaler” Testosteronabfall: Was ist der Unterschied?

Testosteron kann mit dem Alter tendenziell sinken. Trotzdem ist Alter allein keine saubere Erklärung für deutliche Beschwerden.

 

Entscheidend ist:

 

  • Gibt es passende Symptome mit echtem Leidensdruck?
  • Sind Werte wiederholt niedrig und korrekt gemessen?
  • Gibt es eine erkennbare Ursache oder Begleitfaktoren, die behandelbar sind?
  • Passen die Steuerhormone (LH, FSH) zum Bild?

 

Viele Männer verlieren in dieser Phase das Vertrauen in den eigenen Körper. Du musst das nicht “wegdrücken”. Eine strukturierte Abklärung bringt Klarheit.

 

Hypogonadismus Mann: Welche Tests sind sinnvoll?

Eine gute Diagnostik setzt auf Wiederholung, Kontext und Vergleichbarkeit.

 

  1. Blutabnahme zum richtigen Zeitpunkt: Testosteron schwankt über den Tag. Deshalb wird Blut meist morgens abgenommen. Ärztinnen und Ärzte achten darauf, dass du nicht gerade akut krank bist und dass die Bedingungen vergleichbar sind.
  2. Gesamt-Testosteron und freies Testosteron: Gesamt-Testosteron ist ein Startpunkt, aber nicht alles. SHBG beeinflusst, wie viel Testosteron biologisch verfügbar ist. Deshalb kann zusätzlich freies Testosteron oder berechnetes freies Testosteron sinnvoll sein.
  3. Steuerhormone LH und FSH: Diese Werte helfen, primär und sekundär besser zu unterscheiden.
  4. Prolaktin, Schilddrüse und weitere Marker: Erhöhtes Prolaktin kann Testosteron indirekt senken. Je nach Situation werden auch TSH, ggf. fT3 und fT4, Blutbild, Leberwerte, Nüchternzucker oder HbA1c, Lipide und Entzündungsmarker geprüft.
  5. Östradiol als Teil des Bildes: Östradiol ist auch beim Mann wichtig. Zu hoch oder zu niedrig kann Symptome verstärken.
  6. Bildgebung nur bei klarer Fragestellung: Wenn ein sekundärer Hypogonadismus wahrscheinlich ist und weitere Hinweise dazukommen, kann eine Abklärung der Hypophyse sinnvoll sein. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand der Gesamtsituation, nicht nur anhand eines Einzelwerts.

 

Behandlung: Welche Wege werden typischerweise geprüft?

Hier gilt: Therapie ist individuell. Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Er soll dir helfen, das Vorgehen zu verstehen und gute Fragen im Termin zu stellen.

 

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1. Ursachen behandeln, bevor Hormone ersetzt werden

Wenn Schlaf, Übergewicht, Alkohol, Medikamente oder Stress die Haupttreiber sind, kann sich das hormonelle System stabilisieren, sobald du diese Faktoren angehst. Das klingt banal, ist aber in der Praxis oft der größte Hebel.

 

Wenn du dafür eine klare, umsetzbare Basis willst, kann unser Artikel Hormonhaushalt Regulieren als Orientierung dienen.

 

2. Testosterontherapie

Eine Testosteronersatztherapie kann bei gesichertem Hypogonadismus in Betracht kommen.

 

Ärztinnen und Ärzte prüfen dabei unter anderem:

 

  • Symptome und Leidensdruck
  • wiederholte Laborwerte
  • Kinderwunsch
  • Risiken, Begleiterkrankungen und Kontraindikationen
  • Verlaufskontrollen

 

Testosteron gibt es in verschiedenen Darreichungsformen wie Gel oder Injektionen. Welche Form passt, hängt von Alltag, Verträglichkeit, Blutwertstabilität und ärztlicher Einschätzung ab.

 

Wichtig ist die Überwachung: Blutwerte, Blutbild und je nach Alter und Risiko weitere Parameter werden kontrolliert. Wenn du tiefer einsteigen willst, lies über die Testosteron Nebenwirkungen.

 

3. Fertilität und Kinderwunsch

Wenn Kinderwunsch besteht, wird eine klassische Testosterontherapie nicht einfach “on top” gesetzt, weil das die Spermienproduktion beeinflussen kann. In solchen Fällen wählen Ärztinnen und Ärzte oft andere Strategien oder überweisen in eine spezialisierte Andrologie.

 

4. Begleitbeschwerden gezielt adressieren

Erektionsprobleme, Libidoverlust, Erschöpfung und Stimmungstiefs können parallel Unterstützung brauchen. Bei der Sexualfunktion kann die Durchblutung des Schwellkörpers durch Stress oder ein hormonelles Ungleichgewicht beeinträchtigt sein.

 

Was du im Arztgespräch konkret ansprechen kannst

Damit du nicht mit einem “Wert ist ein bisschen niedrig” nach Hause gehst, helfen klare Fragen:

 

  • Welche Werte wurden genau gemessen und zu welcher Tageszeit?
  • Gibt es Wiederholungsmessungen?
  • Wie sehen LH, FSH und SHBG aus?
  • Passt das Muster eher zu primär oder sekundär?
  • Gibt es Hinweise auf Prolaktin oder Schilddrüse als Treiber?
  • Welche Optionen sind sinnvoll, wenn Kinderwunsch besteht?
  • Wie sieht Monitoring aus, falls eine Therapie startet?

 

Hypogonadismus beim Mann ist mehr als ein einzelner Testosteronwert. Es geht um das Zusammenspiel aus Symptomen, wiederholter Diagnostik und Ursachenanalyse. Wenn du dich seit Wochen oder Monaten “nicht wie du selbst” fühlst, lohnt sich eine strukturierte Abklärung. Du gewinnst Klarheit und kannst gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt entscheiden, welcher Weg medizinisch passt.

 

FAQ: Hypogonadismus Mann

Was ist Hypogonadismus bei Männern?


Hypogonadismus ist eine hormonelle Unterfunktion, bei der der Körper dauerhaft zu wenig Testosteron bereitstellt. Entscheidend ist die Kombination aus passenden Beschwerden und wiederholt auffälligen Laborwerten.

 

Welche Symptome treten bei Testosteronmangel beim Mann auf?


Häufig berichten Männer über weniger Libido, Erektionsprobleme, Müdigkeit, weniger Antrieb, Stimmungstiefs, Schlafprobleme und nachlassende Muskelkraft. Die Ausprägung kann stark variieren.

 

Was tun bei Hypogonadismus?


Der erste Schritt ist eine saubere Diagnostik mit wiederholten Messungen am Morgen und zusätzlichen Steuerhormonen wie LH und FSH. Danach werden Ursachen geprüft und je nach Befund Lebensstilfaktoren, Grunderkrankungen oder eine ärztlich begleitete Therapie besprochen.

 

Welche Auswirkungen hat Hypogonadismus auf Männer?


Ein anhaltend niedriger Testosteronstatus kann Sexualfunktion, Energie, Stimmung, Körperzusammensetzung und Leistungsfähigkeit beeinflussen. Eine individuelle Abklärung hilft, die Veränderungen richtig einzuordnen und passende nächste Schritte zu wählen.

Über unseren Autor:

Marco Schwarz ist Fachautor und Experte für Männergesundheit, Ernährung und pflanzliche Unterstützung. Er recherchiert und kuratiert Inhalte rund um Hormone, Prostata, Libido und Stoffwechsel. Sein Fokus liegt auf neutralen, transparenten und verständlichen Texten, die Männern echte Orientierung geben.

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